http//www.quantec-systems.com/portfolio/fledermausabschaltung/bericht/

Lars Wollschläger, Quantec Systems GmbH:

Arten- und Naturschutz fordert wirksamen Fledermaus-Schutz vor Rotorschlag. Innovative IT-Lösung »bat:guard« im Pilot-Einsatz. 

An bestimmten Standorten in Deutschland setzt die Genehmigung für den Betrieb von Windenergieanlagen unter Berufung auf die Tier-, Arten- und Naturschutzvorschriften voraus, dass die Anlagen einen wirksamen Schutz für Fledermäuse vor dem Unterdruck hinter den Rotorblättern und somit gegen Kollisionen / Rotorschlag integrieren. Das bedeutet: Sogenannte Fledermausabschaltungen müssen Schutz-Effektivität und wirtschaftliche Effizienz der Anlagen optimal miteinander verbinden. Zu Zeiten hoher Fledermaus-Flugaktivitäten gilt es, die Turbinen anzuhalten. Keine Frage: Der Artenschutzaspekt deckt sich mit Selbstverständnis und Anspruch der Windenergiewirtschaft, saubere Energie im Einklang mit der Natur zu erzeugen. Fledermausabschaltungen erweisen sich zudem als Genehmigungs-Kriterium, wenn es um die Erschließung neuer Standorte für Windkraftwerke geht und damit auch als Faktor für den weiteren Ausbau der Windenergie in Europa.

»bat:guard« – eine innovative IT-Lösung integriert bei der Turbinensteuerung alle erforderlichen Umgebungskonstanten und -variablen 

Für die Integration in das Monitoring-System »claVis« ist jetzt das Logikmodul »bat:guard« mit der Funktion der sogenannten Fledermaus-Abschaltung verfügbar. 

»claVis«, ein Produkt des IT-Hauses Quantec Systems, zählt zu den etabliertesten multi-integrativen Remote-Monitoring-Systemen dieser Art und ist in der deutschen Windenergiewirtschaft dementsprechend weit verbreitet. Es umfasst über die reine Funktion als multikompatible Schnittstelle und Remote-Monitoring hinaus Steuerungsfunktionen, wie beispielsweise ein intelligentes Lastmanagement oder den Direktvermarktungs­regler (QDR) für die bedarfsorientierte Fernsteuerbarkeit von Windenergieanlagen. 

»bat:guard«, das vollintegrierbare Softwaremodul, ist in mehreren Pilot-Windparks erfolgreich im Einsatz, zum Beispiel »Märkisch Linden« der Bremer Stadtwerke sowie in einem französischen Windpark. Im Frühjahr 2019, zum Beginn der »Fledermaussaison« an den Start gegangen, bildet es funktional alle Schutzanforderungen für Fledermäuse ab. Zudem ist der anlagenschonende Betrieb ein zentraler Inhalt der Steuerungs-Strategie.

Anwenderstatement: »Wir haben ›bat:guard‹ im April 2019 in unser ›claVis‹-System integriert, und zählen somit zu den Pilotanwendern. Abgesehen davon, dass die Fledermausabschaltung bei der Inbetriebnahme präzise für die Umgebungsbedingungen unseres Windparks parametriert war, haben wir die Option, auch selbst auf die Konfiguration Einfluss zu nehmen.«

Dynamisches Verhalten der Funktionalitäten schafft Betriebsflexibilität

Die Einflussfaktoren für eine effektive Fledermausabschaltung sind komplex und treten in unterschiedlichen Konstellationen auf. Dabei spielen die Lagen der jeweiligen Windparks in ihren landschaftlichen Strukturen und die Verbreitung der regionalen Fledermausarten eine grundsätzliche Rolle. Neben erhobenen Zeiträumen mit erhöhten Fledermausaktivitäten der Region fließen als ortsabhängige Gegebenheiten die Außentemperaturen und Windgeschwindigkeiten sowie andere Wetterbedingungen in die Umsetzung fledermausfreundlicher Betriebsalgorithmen für die Turbinensteuerung ein. 

Vincent Kessler, Geschäftsführer und Chef-Entwickler der Quantec Systems: »Mit ›bat:guard‹ haben wir eine effektive Fledermausabschaltung entwickelt, die mit den anderen Steuerungs- und Regelungsfunktionen von ›claVis‹ kompromisslos harmoniert. Algorithmusgesteuerte Funktionen des dynamischen Systems gewährleisten ein ausgeglichenes Verhalten von Effektivität innerhalb Artenschutzanforderungen und Effizienz des Anlagenbetriebs.«

Das Softwaremodul »bat:guard« greift für die Speisung des parkindividuellen dynamischen Abschalt- beziehungsweise Steuerungs-Algorithmus neben den beschriebenen standortgegebenen Informationen auf Echtzeitdaten wie Wetterprognosen mehrerer Modelle sowie auf den integrierten astronomischen Kalender zurück. 

Die Anzahl der Messdaten und Peripherie-Informationen, die das System verarbeiten kann, ist damit nicht begrenzt und kann – abhängig von den jeweils verfügbaren Datenkomplexen – durchaus deutlich erweitert werden. Impulse für die Steuerungsbefehle werden dynamisch-algorithmisch umgesetzt, also auch dann angewandt, wenn nicht alle Kriterien vollständig erfüllt werden, sondern nur ein definierter Rahmen an Schwerpunkteinflüssen zutrifft. Dabei bietet »bat:guard« die Möglichkeit, variable Hysteresen hinsichtlich der Ab-/Einschalt- oder Drehzahlregelungszeiten zu berücksichtigen.

Alle Aktiv- und Passivzustände der Fledermausabschaltung dokumentiert »claVis« über seine systemintegrierten Protokoll-  und Archivierungsroutinen.

Die Windenergiewirtschaft sieht sich in ihrem Selbstverständnis dem Artenschutz verpflichtet. Sie setzt auf eine wirksame Balance von Naturschutz und umweltverträglicher Energieerzeugung, und sie unterstützt aktiv die Forschungen auf dem Gebiet des Fledermausschutzes (s. a. Studien RENEBAT I, RENEBAT II und RENEBAT III). In die Steuerungs- und Monitoringsysteme von in Windparks integrierte Fledermausabschaltungs-Strategien – wie »bat:guard« – repräsentieren die technische Seite dieser Haltung. Die Verfeinerung der Informationskomplexe, die kontinuierlich in die jeweiligen Algorithmen übertragen werden, öffnet die Perspektive, die Wirksamkeit der Artenschutzmaßnahmen stets auf dem neuesten Stand der Erkenntnisse zu halten.